Pilze – das verborgene Leben im Untergrund

Vortrag Dr. Bernhard Otto


Der erste Vortrag 2026 in unserer Reihe „Mensch und Schöpfung“ in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Freiburg fand am Mittwoch, dem 21. Januar 2026 im Collegium Borromaeum mit dem Titel: „Pilze – das verborgene Leben im Untergrund“. Der Referent, Herr Dr. Bernhard Otto (Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V., Schifferstadt) lud zu einem Spaziergang in die Welt der Pilze als Fadenwesen, die weitgehend im Verborgenen leben, ein.

Pilze, ein eigenes Reich neben Tieren und Pflanzen sind ein faszinierendes Thema. Wie Pflanzen sind sie sesshaft, können jedoch keine Photosynthese betreiben und sind daher für ihren Stoffwechsel auf organische Nahrung angewiesen. Pilzen kann man sich aus unterschiedlichen Perspektiven nähern:

  • Mykophagen geht es, wie könnte es anders sein, in erster Linie um den Genuss, also um die Suche und den Verzehr von Pilzen.  Wer sich aber nicht gut auskennt, dem sei dringend fachmännischer Rat empfohlen, denn viele Pilze sind nicht nur ungenießbar, sondern auch höchst giftig und können schlimmstenfalls tödlich sein.

Auch der Genuss von Bier und Wein ist ohne Pilze nicht möglich, denn die alkoholische Gärung wird durch Hefepilze verursacht.

  • Anders der Pilzliebhaber, der Mykophile, der sich oftmals in  Gruppen über seine sensationellen Funde austauscht, Fotos teilt und sich – unabhängig, ob giftig oder nicht – für das Leben der Pilze interessiert und sich an ihren mitunter bizarren Formen und leuchtenden Farben erfreuen kann.
  • Der Mykologe schließlich widmet sich der Erforschung der Pilze, deren Leben, Vorkommen und Ökologie und fragt nach deren bedeutende Rolle auf der Erde.

Zur Biologie und Ökologie der Pilze

Pilze als eigenes Reich fallen meisten durch ihre Fruchtkörper auf. Die sind nur für die Vermehrung zuständig und häufig nur in einer relativ kurzen Lebensphase sichtbar. Das eigentliche Pilzlebewesen besteht aus Fäden, den sogenannten Hyphen, die miteinander verwoben sind und als Mycel im Boden oder anderen Substraten wächst. Auch die Fruchtköper bestehen aus verwobenen Pilzfäden.

Das heißt, Pilze leben im Verborgenen. Sie sind nicht nur schwer zu entdecken, auch das Wissen über sie liegt im Vergleich zu Pflanzen und Tieren noch weitgehend im Dunkeln.

Pilze benötigen organische Substrate, um sich davon zu ernähren und da sie nicht mobil sind, leben sie auf oder in dem Substrat, von dem sie leben. Dabei unterscheidet man drei Ernährungstypen:

  • Folgezersetzer ernähren sich von abgestorbenen Pflanzen oder Tieren und zersetzen diese. Sie sind die Recycler der Natur.
  • Parasiten ernähren sich von lebenden anderen Organismen und verursachen. „Krankheiten“.
  • Symbionten gehen ein eine Lebensgemeinschaft mit anderen Organismen ein. Eine der bedeutensten Lebensgemeinschaft der Pilze ist die sogenannte Mykorrhiza mit Pflanzen, z.B. den meisten Bäumen in unseren Breiten.

90% der Landpflanzen weltweit bilden eine Mykorrhiza mit Pilzen. Ohne Mykorrhiza wäre die Besiedlung des Festlands kaum möglich gewesen. Das Pilzmycel wächst dabei in und um die Wurzeln der Bäume, mit denen sie eine Symbiose zur gegenseitigen Versorgung eingehen, die sog. Mykorrhiza, wovon es verschiedene Typen gibt. Dabei ist die Ektomykorrhiza (EM), bei der die Hyphen nur um die Wurzelzellen herumwachsen und nicht hinein, ein Phänomen der Wälder in der gemäßigten Zone unseres Planeten.

  • Der Baum versorgt den Pilz mit Nährstoffen (Zucker, Fette)
  • Der Pilz versorgt den Baum mit Wasser und Mineralien (bis zu 80 % des Bedarfs)

Die Mykorrhiza macht den Baum widerstandsfähiger gegen schädliche Umwelteinflüsse, wie z.B. gegen Trockenheit, Schwermetallbelastungen usw. Die Mykorrhiza kann Bäume und Pflanzen miteinander vernetzen, auch über Artgrenzen hinaus, dann spricht man von sogenannten wood-wide web.

Wood-wide web

Der Begriff wood-wide web wurde vermutlich von Simard eingeführt und landete 1997 auf der Titelseite der renommierten Zeitschrift nature.

Die Existenz dieser Netzwerke wurde nachgewiesen und auch der artübergreifende Stofftransfer zwischen den beteiligten Organismen, wenn auch in geringerem Ausmaß als bei der direkten Mykorrhiza zwischen 2 Beteiligten.

Dass hier auch Informationsaustausch oder gar Kommunikation stattfindet, ist nicht bewiesen.

Auch ein irgendwie geartetes altruistisches Verhalten – wie man mitunter vermutete – zwischen den Bäumen und Pilzen konnte bisher nicht nachgewiesen werden und ist auch nicht zu erwarten.

Eine Überberwertung des wood-wide Web wurde von Karst et al. (1993) durch eine positive Zitierbias erklärt, d.h. positive Berichte wurden im Vergleich zu kritischen Berichten häufiger zitiert.

Zusammenfassung

Pilze sind Fadenwesen und bilden eigenes Reich der Organismen. Sie brauchen organische Nahrung, da sie keine Fotosynthese betreiben. Diese Nahrung können sie auf verschiedene Art und Weise aufnehmen: durch Zersetzung von totem organischem Material, als Parasiten oder in einer Lebensgemeinschaft mit anderen Organismen.

Dabei ist die Lebensgemeinschaft mit Pflanzen über die Verbindung der Pfanzenwurzel mit dem Pilzmyzel – Mykorrhiza – die wichtigste Lebensgemeinschaft auf unserem Planeten. Eine provokante These, die aber den Kern der Sache trifft. Sie stellt nicht nur die Existenz unserer Wälder der gemäßigten Zonen sicher, sondern erhöht die Resilienz fast aller Landbiotope auf unserem Planeten, auch in der Landwirtschaft für unsere Nahrungserzeugung. Wurzeln von Baumsetzlingen werden dafür sogar eigens mit Pilzmyzel beimpft.

Im Vergleich zu ihrer biologischen Diversität und Bedeutung sind die Pilze noch relativ unerforscht. Man kann heute von ca. 160.00 beschrieben Pilzarten ausgehen, wobei die Hochschätzung in die Millionen geht. Der meisten Arten sind noch nicht beschrieben oder entdeckt.

Es gibt also noch viel für die Biologen und Amateurwissenschaftler zu entdecken. Die Beschäftigung mit den Pilzen lohnt sich nicht nur für die Profis, sondern öffnet auch dem Naturfreund eine unbekannte, neue Welt und bereitet viel Freude, auch weit über den kulinarischen Genuss hinaus.

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