Katzenkastrationen im Südschwarzwald

Seinen Anfang nahm das Gesamtprojekt „Schwarzwaldhof“ im Frühjahr 2017 mit den von der Stiftung organisierten und durchgeführten Katzenkastrationen, die auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt das größte Teilprojekt darstellen.

Katzen vor Boxen
Zu Beginn des Projekts im Jahr 2017

Vor dem Hintergrund, daß im Schwarzwald – wie in allen ländlichen Regionen Deutschlands – nicht nur das Phänomen herrenloser und halbwilder Katzen, die in Wäldern bzw. im Umfeld von landwirtschaftlichen Betrieben ihr Dasein fristen, auftritt, sondern auch daß die Lebensumstände vieler Tiere, die eigentlich zu einem Hof gehören, oft als schwierig zu bezeichnen sind, sah sich die Stiftung zum Handeln veranlaßt. „Bauernhofkatzen“ sind auf nahezu jedem Hof anzutreffen, wo sie zur Eindämmung der Mäusepopulation dienen. Häufig bleiben die Tiere aber ohne Futter und grundlegende Betreuung sich selbst überlassen, was die Ausbreitung von Krankheitserregern fördert und zu Überpopulationen führt, woraus Revierkämpfe wegen zu kleiner Jagdreviere entstehen. Das Resultat dieser Situation läßt sich vielfach an den Straßenrändern beobachten, wo vornehmlich junge Kater Opfer des Straßenverkehrs werden, da sie auf der Suche nach neuen Revieren große Strecken in unbekanntem Gebiet zurücklegen müssen. Hinzukommt erschwerend die auf abgelegenen Gehöften immer noch praktizierte Vorgehensweise, die Katzenpopulation durch Tötungen „kontrollieren“ zu wollen, obgleich dies einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt.

Bei der Tierärztin
Bei der Tierärztin

 

Da eine juristische Konfrontation wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz angesichts der schwierigen Beweislage meist nur wenig Aussicht auf Erfolg bietet, leistet die Stiftung stattdessen einerseits konkreten Tierschutz durch die Kastrationen einhergehend mit der medizinischen Versorgung und appelliert andererseits durch eingehende Beratung und intensive Gesprächsangebote an die moralischen Wertevorstellungen der Tierhalter auch vor dem Hintergrund der christlichen Tierethik mit dem erklärten Ziel, eine bewußte Wertschätzung dieser Lebewesen zu erreichen.

 

 

Wieder daheim!
Wieder daheim!

 Zur Förderung dieses Anliegens übernimmt die Stiftung als ersten Schritt den Großteil der anfallenden Kosten für die Kastrationen. Damit einhergehend werden die landwirtschaftlichen Betriebe durch konkrete Hilfestellungen etwa beim Einfangen der Tiere oder beim Transport zum Tierarzt unterstützt und somit im Aufwand spürbar entlastet.
Weiterhin finanziert die Stiftung im Rahmen der begleitenden Untersuchung die Behandlung von Parasiten (Würmer, Milben, Giardien etc.) sowie bei zahmen Tieren zusätzlich die beiden anfänglichen, der Grundimmunisierung dienenden RCP-Impfungen, sofern der beteiligte Hof eine eigenständige Fortsetzung des Impfprogramms in der Folgezeit zusagt. Im Sinne der Nachhaltigkeit bemüht sich die Stiftung fernerhin um einen langfristigen Kontakt zu den kooperierenden Höfen und bietet hinsichtlich der vorhandenen Katzenpopulation auch künftig ihren Rat und Hilfe an, beispielsweise bei einer durch Erkrankungen oder Unfälle notwendig werdenden medizinischen Versorgung. Sämtliche Maßnahmen finden in enger Absprache mit den zahlreichen Tierärzten, die mit der Stiftung zusammenarbeiten, statt, um einen optimalen Ablauf sowohl für die Tiere selbst als auch für die beteiligten Besitzer zu gewährleisten.

auf dem Weg zur Tierärztin
2018 erhielt das Projekt neue Transportboxen für Katzen

 

Als Kerngebiet des Projektes war ursprünglich für 2017 die Gemeinde St. Märgen definiert, wobei schon im Laufe des Jahres die Nachbargemeinden Breitnau, Buchenbach und Wagensteig in den Aktionsradius miteinbezogen wurden. In den Jahren 2018 und 2019 wurde der Tätigkeitsbereich wegen der stetig wachsenden Nachfrage seitens der Höfe deutlich erweitert. Dieser erstreckt sich mittlerweile über ein Gebiet, welches zusätzlich die Gemeinden Biederbach, Eisenbach, Elzach, Friedenweiler, Furtwangen, Glottertal, Gütenbach, Gutach, Hinterzarten, Horben, Kirchzarten, Lenzkirch, Oberried, Simonswald, St. Peter, Stegen, Titisee-Neustadt, Waldkirch und Winden inklusive der zugehörigen Ortsteile umfaßt. In gleichem Maße ist die Zahl der kooperierenden Tierarztpraxen kontinuierlich angewachsen, weswegen sich das Projekt aktuell auf die Mitwirkung von insgesamt 8 Tierärzten/innen und einer Freiburger Tierklinik stützen kann.


Nach dem aktuellen Stand konnten in den Projektjahren 2017, 2018, 2019 und 2020 bereits 505 Katzen und Kater von insgesamt 107 Höfen kastriert und – sofern notwendig – darüber hinaus medizinisch versorgt werden. Für das erste Halbjahr 2020 sind schon mit mehreren Land- und Forstwirten Termine für die Kastration ihrer Katzen und Kater vereinbart. Im weiteren Jahresverlauf ist wie bereits in den vergangenen Jahren mit einem kontinuierlichen Anstieg der zu versorgenden Tiere zu rechnen. Als positiver Effekt ist zu vermerken, daß sich mittlerweile zahlreiche Hofbesitzer eigenständig bei den beteiligten Tierärzten bzw. der Stiftung melden, um ihre Tiere kastrieren zu lassen. Sie haben über Bekannte, Verwandte, Tierarztpraxen oder durch die Medien von dem Projekt erfahren und sind von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Katzenkastrationen inzwischen überzeugt.

 

Dr. Johannes Christian Linnemann