Geheimnisse des Vogelzugs

Vortrag Dr. Wolfgang Fiedler


Dr. Wolfgang Fiedler, Biologe am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, beleuchtete in seinem Vortrag die faszinierenden Geheimnisse des Vogelzugs. Eindrücklich erklärte er im Rahmen der Reihe „Mensch und Schöpfung“, warum, wie und wohin Vögel ziehen.

Warum machen sich Vögel auf den Weg?

Der Hauptgrund für den Vogelzug liegt in der Suche nach optimalen Lebensbedingungen: Vögel folgen der Naturproduktivität und ziehen dorthin, wo sie ausreichend Nahrung finden. Im Sommer sind das von Mitteleuropa aus gesehen oft die nördlichen Regionen, im Winter der Süden. Dieser Zug ist ein innerer Drang, der sowohl genetisch als auch durch Umweltfaktoren gesteuert wird.

Besonders interessant ist die Frage, wie Vögel wissen, wohin und wie weit sie fliegen müssen. Studien zeigen, dass verschiedene Vogelarten unterschiedliche Zugrouten haben, die genetisch verankert sind. So fliegen etwa Gartenrotschwänze bis südlich der Sahara, während die Hausrotschwänze nur bis Südeuropa ziehen. Hybride dieser beiden Arten wählen oft eine Route, die zwischen den elterlichen Zielen liegt. Jungvögel kennen ihre Route instinktiv, während ältere Vögel ihre Route an äußere Faktoren anpassen können. Ein spannendes Beispiel dafür sind die Mönchsgrasmücken, deren Routen sich seit den 1960er-Jahren verändert haben: Einige Populationen fliegen nun nach England statt in den Mittelmeerraum. Dies führt zu neuen Paarungsmustern und möglicherweise zur Entstehung neuer Arten.

Welche Route nehmen Störche auf ihrem Weg in den Süden?

Ein konkretes Beispiel für den Vogelzug sind die Weißstörche, die auf ihren Zugrouten bis zu 12.000 Kilometer zurücklegen. Sie nutzen die Thermik, um Energie zu sparen, und vermeiden das offene Meer. Beliebte Routen von Deutschland aus führen westlich über Spanien und Gibraltar oder östlich über den Balkan, die Türkei und den Nahen Osten nach Afrika. Moderne Technologien wie GPS-Logger und Plattformen wie Movebank oder die Animal Tracker App ermöglichen es, die Routen der Vögel nachzuvollziehen und zu analysieren.

Gefahren lauern auf dem langen Weg

Trotz ihrer beeindruckenden Fähigkeiten sind Zugvögel zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Illegale Jagd, insbesondere im Mittelmeerraum, führt jährlich zum Tod von Millionen Vögeln: Geschätzt zwischen 11 und 36 Millionen Tiere werden im Mittelmeerraum illegal erlegt – gesunde Populationen könnten das aushalten, aber bei Vogelarten, die sowieso schon gefährdet sind, stellt die Jagd eine große Gefahr für die Gesamtpopulation dar. Eine legale Jagd gibt es aber auch in Deutschland, beispielsweise auf Waldschnepfen. Der Lebensraumverlust durch Abholzung und Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich und der Klimawandel führt dazu, dass Vögel früher aus ihren Winterquartieren zurückkehren oder sogar in ihren Brutgebieten überwintern.

Insgesamt zeigte Wolfgang Fiedlers Vortrag, dass der Vogelzug ein faszinierendes Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen ist. Der Schutz der Zugvögel erfordert internationale Zusammenarbeit, um ihre Lebensräume und Flugrouten zu erhalten.

Dr. Stephan Seiler

Aufzeichnung des Vortrages in der Katholischen Akademie

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