Hier ein kleiner Tätigkeitsbericht aus der Igelstation Vörstetten, mit welcher die Musella-Stiftung seit einigen Jahren eng zusammenarbeitet, und welche seit 2020 zudem finanziell gefördert wird:

"Auf unserer Suche nach Nahrung sind wir am 26.05. in einem Garten angekommen. Uns war kalt und meinem Bruder ging es gar nicht gut. Normalerweise möchten wir in Ruhe gelassen werden, aber diesmal wollten wir gefunden werden und liefen piepsend im Garten umher. Nach einer Weile kam jemand und sah uns mit Fragezeichen im Gesicht an, so dass wir ihn „Fragezeichen“ nennen möchten. Fragzeichen holte einen kleinen Karton, packt uns vorsichtig hinein und ruft ein Menschending, welche ganz weit von uns weg wohnt, an, was er nun machen könnte bzw. ob er uns bringen kann.

Also, ab ins Auto mit uns und auf zum Menschending. Dort angekommen stellt Fragezeichen uns doch einfach vor die Haustüre, klingelt, haut doch tatsächlich ab und lässt uns alleine.

Igel in Igelstation
Ein neuer Igel in der Igelstation

Als sich die Türe öffnet beäugen wir uns vorsichtig. Wir konnten die Gedanken von dem Menschending nicht erraten, jedoch waren wir froh, hier zu sein. Irgendwie hatten wir ein gutes Gefühl, sicher und gut aufgehoben zu sein.
Und dann ging es allerdings erst richtig los. Wir wurden aus der Kiste genommen, untersucht und bekamen die Namen Franky und Freddy, da Menschending unsere Zipfel gefunden hat. Ich, Franky, derjenige von uns beiden, der besser dran war, jedoch viel zu klein, Augen geschlossen hatte ein Startgewicht von 105gr und war unterkühlt. Freddy, mein Bruder, hatte nur 84gr, ebenfalls viel zu klein, Augen geschlossen, mit Fliegeneier am Popo und am Zipfel bestückt, lauter kleine Wunden am Körper und auch unterkühlt. Ich wollte nicht in der Haut meines Bruders stecken, denn der wurde nun von Menschending gesäubert... Gott sei Dank hatte sie bald Erbarmen mit ihm und gab ihm Schmerzmittel. Mir war mittlerweile kuschelig warm, da ich nach meiner Untersuchung auf einem Wärmekissen liegen durfte.

Endlich kam mein Bruder zu mir und ich wollte ein bisschen Zeit mit ihm verbringen. Da nahm das Menschending mich jedoch auf die Hand und fing an, mich mit irgendeinem weißen Zeug zu füttern. Ich hatte einen Bärenhunger und bekam immer kleine Portionen. Dauernd redet das Menschending auf mich ein und ich rollte mich satt und zufrieden in der Hand ein.
Nach einer Weile fängt die an, meinen Bauch mit Öl zu massieren. Hey, was soll das? Ich will meine Ruhe haben und trotzdem tut es irgendwie gut. Mein Bauch wird immer aufgeblähter, ich lasse mein Pipi und Kakka raus und fühle mich erleichtert. Das Menschending weiß wirklich gut, wie sie mit uns umgehen und uns pflegen muss. Also ich fühle mich zumindest sauwohl. Zufrieden wurde ich wieder auf das Wärmekissen gelegt und dann kam mein Bruder an die Reihe.
Er wurde wie ich mit dem weißen Zeug gefüttert und sein Bauch ebenso massiert. Das nennt man übrigens bei uns Toiletting. Normalerweise übernimmt das massieren, damit wir uns entleeren können, unsere Mama. Aber die war ja nicht mehr da. Meinem Bruder hat das Toiletting aber nicht gefallen, da er viele kleine Wunden auch am Popo hat und sich deshalb nicht aufrollen wollte.

Tag um Tag wiederholten sich die Annehmlichkeiten und auch Unannehmlichkeiten. Mein Bruder bekam für die Schmerzen ein Antibiotikum und nach dem 4. Tag fing er an, sich langsam aufzurollen.
Das Menschending kümmerte sich rührend um uns und hatte dadurch richtige Augenringe, da wir 5 mal gefüttert wurden, und sie wenig Schlaf bekam. Vor jeder Mahlzeit die gleichen Sachen: wir wurden gewogen, massiert, gefüttert, wieder gewogen, wieder massiert. Alles wurde von dem Menschending aufgeschrieben.
Am 5. Tag (01.06.) öffneten wir vorsichtig die Augen und konnten Menschending anschauen. So sehen also liebe Menschen aus, die sich um uns Igel aufopfernd kümmern. Na ja, könnte sicher besser, frischer und lebendiger aussehen. Ich habe doch Mitleid mit ihr, obwohl es mir richtig gut geht.
Zum Essen wurden wir heute das erste Mal vor eine Schale mit dem weißen Zeug gesetzt. Wir sollten versuchen, selbst zu trinken. Ups, wir waren ganz schön dappig, da wir mit unseren Vorderfüßen gleich mal in die Schüssel getapst sind. Na ja, die Koordination ist auch nicht so einfach.
Es war eine neue Erfahrung, mal selbst zu trinken und Übung macht bekanntlich Meister. Wir wurden auch immer besser und selbständiger dabei, trotzdem bekamen wir weiterhin unsere Medizin und Milch gefüttert, damit das Menschending sich sicher war, dass die Medizin auch wirklich von uns runtergeschluckt wird und wir auch Flüssigkeit bekommen-
Wieder 2 Tage später (03.06.) nimmt Menschending uns in die Hand und setzt uns auf grünem Zeug ab. Hey, was ist das denn? Das ist ja weich und riecht gut und fühlt sich gut an. Mein Bruder und ich dürfen zum ersten Mal nach draußen und unseren Käfig für eine Weile verlassen. Was für ein tolles Erlebnis. Ich könnte das Menschending küssen.
Da wir langsam aber beständig größer werden und zunehmen erhalten wir eines Tages (04.06.) für die Nacht eine flache Schale mit einem roten Brei und gelben Flocken drin. Also was soll das denn. Das weiße Zeug ist einfacher zu trinken, nun sollen wir auch noch alleine essen? Ja, ja, das Menschending meint es nur gut mit uns und wir sollen ja groß und selbständig werden, damit sie auch mal wieder mehr Schlaf bekommt.
Wir beide merken schnell, dass uns dieses Essen deutlich mehr sättigt und freuen uns mehr und mehr auf das andere Futter (Katzenfutter und Rührei). Mittlerweile hat das Menschending Vertrauen in unsere Entwicklung bekommen und hat aufgehört, uns dauernd zu wiegen. Da wir nun auch selbständig essen, können wir unseren Toilettengang ebenfalls alleine und müssen nicht mehr massiert werden. Wir fanden das am Ende richtig klasse, aber auch wir werden ja größer.

Auf unserer Entwicklungsreise machen wir die Bekanntschaft mit einem großen Tier mit weichem Fell, welches im Haushalt des Menschending wohl wohnt. Sie beäugt mich zwar, aber wir sind beide sehr neugierig und beschnuppern uns. Da dieses Tier auch gefüttert wird, finden wir auf unseren Ausflügen das Futternapf und stellen fest, dass das fast genauso schmeckt wie unser Futter. Und da wir hungrig sind, schmeckt das ganz gut. Uns ist es egal, ob es dem anderen Tier gehört. Weg ist weg und wer zu spät kommt hat bekanntlich Pech gehabt.
Nur geht die schönste Zeit bekanntlich irgendwann zu Ende und wir wurden nach knapp 4 Wochen (21.06.) wieder in einen Karton mit mittlerweile jeder von uns über 400gr gesteckt. Wir wechselten von dem einen zum anderen Menschending. Hier dürfen wir uns langsam an die freie Natur gewöhnen und mit 650gr ging es auf die große Reise.

Igeldank an alle Menschen, die sich so um uns sorgen und aufopferungsvoll kümmern."